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Porträt

Ein Porträt ist die künstlerisch Darstellung eines bestimmten Menschen. Dabei wird das Wesen bzw. die Persönlichkeit des Porträtierten zum Ausdruck gebracht. Den wechselnden Bild- und Persönlichkeitsauffassungen sowie den verschiedenen Kunstepochen ist das Bildnis unterworfen. Der Grad der Ähnlichkeit mit dem Porträtierten ändert sich im Laufe der Zeit, vor allem seit der Erfindung der Fotografie.

Das Porträt stellt die Porträtierten unterschiedlich da:

  • entspricht der Realität
  • idealisiert den Dargestellten (z. B. bei adligen Auftragswerken)
  • verzerrt bis zur Karikatur

Aufgaben des Porträts:

  • vertreten des nicht Anwesenden (wie z. B. bei Monarchen)
  • Bewahrung des Andenken an einen Menschen

Im Laufe seiner Entwicklung hat das Porträt eine unterschiedliche Wertschätzung erfahren.

Entwicklung des Porträt

Altertum

Im Alten Orient wurden die Menschen fragmentarisch dargestellt. Daher ist es fraglich, ob diese Darstellungen Porträtcharakter haben. Keine individuellen Züge zeigen Beterstatuetten. So zeigen die Sitzbilder des Gudea von Lagasch (21. Jahrhundert v. Chr.) z. B. den Stadtfürsten nur als Betenden.
Auch der Königskopf der Dynastie von Akkad ist stilisiert gearbeitet. Einer der Hauptträger der Porträtentwicklung war das Herrscherbild. Ebenso stark formalisiert wie die Reliefdarstellungen der achaimenidischen Herrscher sind die aus der altbabylonischen und der neubabylonischen Zeit. In der parthischen und vor allem sassanidischen Kunst wurde die Tradition der lebendig gehaltenen Münzporträts fortgeführt.

Unabhängig vom Lebensalter und allen Zufälligkeiten des Augenblick wurden die Menschen in der ägyptischen Kunst in ihrer sozialen Funktion dargestellt. Aus diesen Grund fehlen Altersbildnisse und die Kinder erscheinen als kleine Erwachsene. 
Trotz großer Lebensnähe und Ausdruckskraft kann man die tragisch heroischen Herrscherbildnisse der 12. Dynastie (Sesostris III., Amenemhet III.) noch nicht als eigentliche Porträts bezeichnen. Zu einer eleganten und höfischen Auffassung im Herrscherporträt sowie im Privatbild gelangte erst die 18. Dynastie. Diese Auffassung schloss auch feine psychologische Züge mit ein. Besonders fortgesetzt wurde diese Linie durch die Bildniskunst aus der Zeit der Könige Thutmosis III. und Amenophis III., aber auch in der Amarnakunst (Nofretete)
Das Herrscherbild gewann unter Ramses II. wieder Majestät und Würde. Später verlor sich seine Menschlichkeit in leeren Pathosformeln.
Seit der 26. Dynastie kam es in der ägyptischen Spätzeit erneut zu einer echten Porträtkunst. Grund dafür ist wahrscheinlich die Berührung mit der römischen Porträtkunst. In Faijum finden sich seit dem frühen 1. Jahrhundert n. Chr.  Mumienporträts auf Holz und in Mittel- und Oberägypten die bemalten Stuckmasken, die zum Teil realistisch waren. Diese Masken wurden den gewickelten Mumien aufgesetzt.

Antike

Der Mensch wurde bei den Griechen nicht als zufälliges Individuum dargestellt, sondern als vorbildlicher Idealtypus. Neben den Bildnissen jüngst Verstorbener oder noch Lebender entstanden schon seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. Porträts großer Persönlichkeiten der Vergangenheit (Homer) aus der Fantasie. Vorgefundene Formen wie Maske (beide Sokratestypen entstanden aus Satyrmasken) oder verschiedene Göttertypen (Perikleskopf des Kresilas) wurden als Vorlage genutzt. Idealporträts des Strategen, des Dichters (Aristophanes, Sophokles), des olympischen Sieger, des Redners und des Philosophen (Aristoteles, Platon) entstanden. Wobei das Kopfporträt nur für Münzen verwendet wurde. Die menschliche Erscheinung im Herrscherporträt ins Heroisch-Pathetische wurde im hellenistischen Bildnis des 3. Jahrhunderts v. Chr. gesteigert. Seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. wurde die bewegte pathetische Formensprache wieder gedämpft. Der konkrete Einzelmensch wurde in neuer Weise erfasst. Auf Münzen der seleukidischen Könige von Pontos, Kappadokien und des Hellenobaktrischen Reiches fand das hellenistische Individualporträt die freieste Entfaltung.
Als Büste oder Herme erschien das Porträt von Anfang an bei den Römern. Die Ursprünge dafür hängen mit dem Ahnenkult zusammen. Vermutlich waren die Totenmasken aus Wachs die Vorbilder.
Wo das römische Porträt unter dem Einfluss des griechisch-hellenistischen Porträts steht, erhöht und heroisiert es nur. Dies war vor allem im Herrscherbild so. Die Nüchternheit der Darstellung ist seine eigentliche Stärke. Dem 1. Jahrhundert v. Chr. gehören die bedeutendsten Beispiele an (Cicero, Caesar). In der spätrepublikanischen Zeit wuchs die Zahl der Honoratiorenporträts auf den Foren beträchtlich an. Auch Freigelassene konnten ihr Porträt auf Grabmonumenten als Büste oder Relief aufstellen. Auf die Büste beschränkten sich die zahllosen Kopien nach griechischen Porträtstatuen. Zur etruskischen Grabplastik führt eine Linie der römischen Porträtkunst zurück. Die Grabplastik gibt den Verstorbenen individuell wieder ebenso wie auch Grabmalereien.
Funktionen (Reiterdenkmal) wurden durch die römischen Porträtstatuen betont. Sie hatten aber auch einen symbolischen Charakter (Darstellung als Herkules oder Mars, bei Frauen Venus).
Seit dem ausgehenden 3. Jahrhundert n. Chr. trat die Auflösung des römischen Wirklichkeitssinns in Erscheinung, welches ein langer Vorgang war:

  • Gesichter verloren Formenfülle, wurden flach
  • übergroße Augen
  • starre Haltung

Dies war auch im Kaiserbild erhalten, wie z. B. im Kolossalkopf Konstantins I., des Großen.

Europäisches Mittelalter und Neuzeit

Mit der auf das Jenseits ausgerichteten Religion widersprach die Auffassung des frühen und hohen Mittelalters der Darstellung des irdischen Menschen. Das eigentliche Porträt wurde verdrängt.Typisierte Idealbildnisse entstanden stattdessen. Sie verzichteten auf Ähnlichkeiten. Der Dargestellte wurde durch Wappen und Insignien als Sinnbild seines Amtes gekennzeichnet (z. B. Autoren- und Dedikationsbilder in der Buchmalerei).
Grabfiguren und Stifterporträts sind für Entwicklung des neuzeitlichen Porträts bedeutsam. Die individuelle Ähnlichkeit wurde seit dem späten 14. Jahrhundert wieder als künstlerisches Gestaltungsprinzip vorrangig, zunächst in der franko-flämischen und altniederländischen Buchmalerei. Wegweisen waren unter den Bildhauern Peter Parler und seine Werkstatt und auch Claus Sluter.
Einen immer breiteren Raum nahm die Porträtmalerei im 15. Jahrhundert ein. Italien und die Niederlande wurden die Zentren dafür. Zunächst waren diese frühen Privatbildnisse nicht als Raumschmuck gedacht. Aufbewahrt wurden sie in eigens dafür angefertigten Behältern mit verschlossen Deckeln. Zum Betrachten wurden sie gelegentlich hervorgeholt und haben daher ein durchgängig kleines Format. Auf dem Rahmen oder auf dem Bildgrund selbst befand sich eine Inschrift mit Daten zu dem Bild:

  • Name des Dargestellten, bisweilen auch sein Stand
  • Lebensalter des Dargestellten
  • Entstehungsdatum des Bildes
  • eventuell auch die Signatur des Künstlers

Das strenge Profilporträt und die Porträtmedaille, im Rückgriff auf die antike Porträtbüste, wurde in der italienischen Frührenaissance zunächst bevorzugt. Eine immer breiter werdende Typenvielfalt entwickelte sich durch das im Humanismus und der Renaissance geweckte Selbstbewusstsein und Interesse für das Individuum.
Als Blütezeit des Porträts gilt das 16. Jahrhundert. Nun wurde das Selbstverständnis eines „modernen“ Menschen dokumentiert. So wie er sich sieht oder gern gesehen werden will, wird er in Haltung, Gestik und Mimik präsentiert. Die klassische Form gaben dem Brust- und Halbfigurenporträt Leonardo da Vinci und Raffael, während es beim Reiterporträt Tizian war. Das Porträt erreichte weitere Höhepunkte bei Albrecht Dürer, Lucas Cranach dem Älteren, Jean und François Clouet, Lorenzo Lotto u. a. Einen erneuten Aufschwung hatte die Porträtkunst aufgrund des Repräsentationsbedürfnis des Barock. Die Darstellungen wurden von pathetischer Haltung, prunkvollen Gewändern und pompösen Draperien bestimmt (Peter Paul Rubens, Anthonis van Dyck). Schlichtere, psychologisch ausdrucksvolle Porträts wurden von Frans Hals und Rembrandt geschaffen, was besonders in ihren Gruppen- und Selbstporträts zu sehen ist. Sie übernahmen die Würdeform des Herrscherbildnisses in die privaten Porträts und stellten so selbstbewusst den persönlichen Erfolg des Dargestellten zur Schau.
Bis ins 19. Jahrhundert waren Porträts nur wenigen Personen vorbehalten, dazu gehören der Adel, der hohe Klerus, der Künstler selbst, deren Familien und Freunde. Im 17. und 18. Jahrhundert war dies vornehmlich eine Aufgabe der Maler am Hof. Hervorragende Pastellporträts wurden von Rosalba Carriera und Maurice-Quentin de la Tour geschaffen. Um 1800 stellten die Porträts von Francisco de Goya y Lycientes einen späten Höhepunkt dar.
Durch die Erfindung der Fotografie im 19. Jahrhundert wurde die Porträtmalerei teilweise ihrer Arbeitsmöglichkeiten beraubt, vor allem im bürgerlichen Milieu. Die Porträts begannen nun Geschichten zu erzählen, da das Ambiente des Modells durch agierende Personen erweitert wurde.
Insbesondere die Kunst des Expressionismus fand im 20. Jahrhundert neue Wege, um das Bild des Menschen auszudrücken (Max Beckmann, Oskar Kokoschka, Otto Dix). Die Künstler waren jetzt nicht mehr auf das Modell und dessen Wiedererkennbarkeit fixiert. Somit konnten sie symbolische oder surreale Darstellungen aber auch zur Abstraktion neigende Formen verwenden (Pablo Picasso, Amadeo Modigliani, Francis Bacon).

Formen des Porträts

Porträts werden nach der Form der Darstellung unterschieden:

  1. Bildniskopf: Unter Einbeziehung des Halses ist der Kopf zu sehen.
  2. Büste: Die Schulterpartie und ein mehr oder weniger großer Teil des Oberkörpers werden in der Fortsetzung von Kopf und Hals dargestellt.
  3. Bruststück: Mit den ganz oder teilweise wiedergegebenen Armen ist der Großteil des Oberkörpers abgebildet.
  4. Halbfigur: Die Figur wird bis zur Taille gezeigt.
  5. Kniestück: Bis zum Knie wird der Porträtierte gemalt.
  6. Ganzfigur: Die dargestellte Person ist in ihrer Gesamtheit zu sehen.

Eine weitere Unterscheidung richtet sich nach dem Grad der Drehung:

  1. Vorderansicht: en face (Gesicht von vorn)
  2. Halbprofil: das Porträt wurde halb von der Seite gemalt
  3. Dreiviertelansicht: Zu sehen ist eine Kopfseite voll, die andere in starker Verkürzung
  4. Profil: Das Gesicht ist halb zur Seite gedreht dargestellt.

Aus der Sicht der Betrachter werden diese Bildbeschreibungen geführt.

Gattungen des Porträts

  1. Einzelbildnis
  2. Doppelbildnis: in bestimmten Beziehung stehen die dargestellten Personen zueinander
  3. Gruppenbildnis: es werden mehrere Personen abgebildet, die in einer bestimmten Beziehung zueinander stehen

Das Selbstbildnis hat innerhalb des Porträts eine besondere Stellung, da der Künstler es von sich selbst macht. Selbstporträts haben einen hohen Aussagewert über die persönliche Selbsteinschätzung. Auch wird durch sie die Stellung des Künstlers in der Gesellschaft repräsentiert.
Stimmungen zu einem bestimmten Zeitpunkt, Wesensmerkmale und Eigenschaften spiegelt es wieder.