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Versailler Vertrag

Versailler Vertrag - Beendigung des 1. Weltkrieges

Von den sogenannten „Pariser Vorortverträgen“ ist der Versailler Vertrag der wichtigste. Der 1. Weltkrieg wurde 1919/1920 mit diesen Verträgen völkerrechtlich verbindlich beendet. Ausgearbeitet wurde der Versailler Vertrag von den Vertretern der Siegerstaaten auf der Pariser Friedenskonferenz. Die USA, Frankreich, Großbritannien und Italien waren dabei die wichtigsten Staaten. An den Verhandlungen durften sich Deutschland und Österreich, da sie besiegte Staaten waren, nicht beteiligen. Am 28. Juni 1919 wurde der Vertrag von den Siegerstaaten und Vertretern des Deutschen Reichs im Spiegelsaal des Versailler Schlosses unterzeichnet. Hier wurde 1874 auch das Deutsche Reich ausgerufen. Der Vertrag wurde von mehreren Ländern jedoch nicht in ihren Parlamenten verabschiedet. Sie beendeten den Kriegszustand mit Deutschland auch nicht mittels eigener Verträge, wie die USA 1921.


Versailler Vertrag - Inhalt und Wirkung

Durch den Versailler Vertrag werden hauptsächlich Gebiets- und militärische Fragen geregelt. Er besteht aus 15 Teilen und 440 Artikeln. Der Vertrag enthält auch die Satzung des Völkerbundes und die Regelung über die Wiedergutmachung der Kriegsschäden durch die unterlegenen Staaten.
Mit seiner Ausgestaltung wurde hauptsächlich dem Sicherheitsbedürfnis Frankreichs Rechnung getragen. Ihre Maximalforderung, die völlige Kontrolle über den Rhein, konnten die französische Regierung jedoch nicht durchsetzen. Durch diesen Vertrag büßte Deutschland seine Vormachtstellung vorübergehend ein, während Frankreich zur politischen und militärischen Führungsmacht in Europa wurde.
Das Deutsche Reich wurde durch den Vertrag auf Jahre hinaus geschwächt. Gründe dafür waren:

  • Verlust von 13 % Fläche (70579 km²)
  • Verlust von 10 % seiner Einwohner (7,3 Mio.)
  • Verlust sämtlicher Kolonien
  • Verlust von 75 % der Eisenerzförderung
  • Verlust von 26 % der Steinkohleförderung
  • riesige Reparationsleistungen


Festlegung neuer Grenzen

Der Versailler Vertrag legte die Grenzen des Deutschen Reichs neu fest. Im Osten musste Deutschland zahlreiche Gebiete abtreten. Über die weitere Zugehörigkeit einiger Regionen waren Volksabstimmungen vorgesehen. Ohne Volksabstimmung wurden folgende Gebiete an Polen abgetreten:

  • großer Teil Westpreußen
  • Provinz Posen
  • Gebiet um Soldau
  • Teile von Hinterpommern

Unter dem Schutz des Völkerbundes wurde Danzig zur „freien Stadt“. Unter alliierter Verwaltung kam das Memelland und die Tschechoslowakei erhielt das Hultschiner Ländchen. Als Mandate vom Völkerbund wurden alle Kolonien des Deutschen Reichs verwaltet.
Die Volksabstimmungen viel in den einzelnen Regionen unterschiedlich aus:

  • kohlereiche Gebiete im Südosten Oberschlesiens - Zugehörigkeit zu Polen
  • südliches Ostpreußen und restliche Gebiete Oberschlesiens - Zugehörigkeit zum Deutschen Reich
  • Nordschleswig - Zugehörigkeit zu Dänemark
  • Südschleswig - Zugehörigkeit zum Deutschen Reich
  • Elsass und Lothringen - Zugehörigkeit zu Frankreich
  • Eupen-Malmedy - Zugehörigkeit zu Belgien (umstrittene Volksbefragung)
  • Moresnet - Zugehörigkeit zu Belgien
  • Saargebiet - 15 Jahre lang unter Regierungskommission des Völkerbundes (Frankreich durfte 15 Jahre lang die Kohlegruben ausbeuten) -> Volksabstimmung über Zugehörigkeit des Saarlandes sollte 1935 erfolgen
  • linksrheinische Gebiete, Brückenköpfe bei Köln, Koblenz, Mainz - Besetzung für bis zu 15 Jahre durch alliierte Truppen
  • Rechts des Rheins - 50 km breiter Streifen entmilitarisierte Zone -> in diesem Gebiet: Zerstörung aller Festungen und Verteidigungsanlagen

Das Deutsche Reich und Österreich wurde durch den Vertrag ein Vereinigung verboten. Luxemburg verlor seine neutrale Stellung, da es aus dem Deutschen Zollverein ausscheiden musste.
Obwohl die Deutsche Regierung gegen den Vertrag mit seinen Bestimmungen protestierte und Verstöße gegen das Selbstbestimmungsrecht der Völker geltend machte, unterschrieb sie am Ende den Vertrag. Von nun an lebten viele Deutsche außerhalb deutscher Grenzen, die meisten in Polen und der Tschechoslowakei.


Begrenzung des Militärs

Durch dem Vertrag wurde eine starke Begrenzung des Militärs dem Deutschen Reich auferlegt:

  • Landstreitkräfte - max. 100.000 Mann
  • Seestreitkräfte - max. 15.000 Mann
  • Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht
  • Abschaffung der Kriegsakademie und des Generalstabes
  • Verbot bestimmter Waffengattungen in Deutschland
  • Rückzug aller Truppen aus dem ehemals russischem Gebiet

Deutschland verlor dadurch seinen Status als militärische Großmacht. Mehrfach wurde in den 20er Jahren versucht, diese Beschränkungen zu umgehen.


Reparationen und wirtschaftliche Beschränkungen

Der Versailler Vertrag beschnitt Deutschland auch den Status als wirtschaftliche Großmacht. Neben der Kriegsflotte verlor das Deutsche Reich auch den größten Teil seiner Handelsflotte, obwohl diese eigentlich unverzichtbar war für das exportstarke Land.
Im Ausland wurden Eigentum und Rechte deutscher Firmen beschlagnahmt. Für deutsche Waren wurden bestimmte Exportmärkte gesperrt. Ein Meistbegünstigungsrecht wurde für alliierte Staaten eingeführt. Dies beruhte jedoch nicht auf Gegenseitigkeit. Beschränkt wurde auch das deutsche Hoheitsrecht über die Reichsbahn. In der Luft- und Seefahrt erhielten die Alliierten besondere Vorteile, deutsche Flüsse internationalisiert.
Durch den sogenannten „Kriegsschuldartikel“ 231 des Versailler Vertrages wurde dem Deutschen Reich und seinen Verbündeten die Alleinschuld für den Krieg zugewiesen und auch für die daraus entstanden Schäden. Dieser Artikel war die rechtliche Grundlage für die Reparationen.
Die riesigen finanziellen Reparationsleistungen waren für das Deutsche Reich eine besonders schwere Hypothek, obwohl die genaue Höhe im Vertrag noch nicht festgelegt wurde. Bis 1921 sollte das Deutsche Reich jedoch ca. 20 Milliarden Goldmark aufbringen und zwar in Gold, Waren, Schiffen, Wertpapieren oder anderswie. Zwischen den Alliierten und Deutschland blieb bis 1932 die finanzielle Wiedergutmachung Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen. Über die Höhe der Reparationen wurde auf mehreren Konferenzen gestritten. Erst 1932 wurde der Streit auf der Konferenz von Lausanne beigelegt.


Revisionspolitik gegen den Versailler Vertrag

Der Versailler Vertrag wurde als nationale Demütigung aufgefasst und galt in der deutschen Öffentlichkeit und auch in weiten Kreisen der deutschen Politik als:

  • „Schandfrieden“ oder
  • „Friedensdiktat“ oder
  • „Diktat von Versailles“

Ein wichtiges Ziel der Außenpolitik der Weimarer Republik wurde eine Revision des Vertrage zugunsten von Deutschland. Die Grundsätze für eine an westlich-liberalen Vorstellungen orientierte Friedensordnung formulierte WILSON am 08. Januar 1918 in einer Rede an den Kongress, das berühmt 14-Punkte-Programm. Im Versailler Vertrag wurden nur einige dieser 14 Punkte eingearbeitet.

WILSONS 14-Punkte-Programm

  1. Abschaffung der Geheimdiplomatie - öffentliche Verhandlung aller Verträge
  2. Freiheit der Meere
  3. Aufhebung aller Handelsschranken in der Welt
  4. Abrüstung aller Armeen der Welt - Umwandlung in eine Polizei-Miliz
  5. Neuordnung der Kolonien - nach Interessen der Kolonialvölker
  6. Deutscher Rückzug aus Russland - Autonomie für alle Teilvölker des russischen Gebiets
  7. Wiederherstellung Belgiens
  8. Neuziehung der französischen Grenzen zum Vorteil Frankreichs - deutsche Wiedergutmachung von Kriegsschäden in Frankreich (auch für die des Krieges von 1871)
  9. Neuziehung der italienischen Grenze - „entsprechend der Nationalitäten“
  10. Autonomie für alle Völker des Habsburg-Reiches
  11. Neuziehung der Balkangrenzen - entsprechend Geschichte und Nationalität, Zugang für Serbien zum Meer
  12. Souveränität der Türkei - Autonomie für die von Türkei besetzten Gebiete im Osmanischen Reich - freie Durchfahrt für alle an Meerengen wie dem Bosporus
  13. Aufbau Zugang für Polen zum Meer
  14. Aufbau eines Völkerbundes als internationale Schiedsstelle

Der schlechte Ruf des Versailler Vertrages wurde von den rechtsnationalen antidemokratischen Kräfte genutzt, um gegen die Republik zu agieren und ihre Anhänger zu mobilisieren. Gegen die sogenannte „Kriegsschuldlüge“ wurde Front gemacht und die wahre Ursache, die für die militärische Niederlage verantwortlich war, wurde verdrängt. 
Das Versailler System war neben Deutschland auch in Österreich, Ungarn und der Türkei, den anderen besiegten Staaten also, umstritten. Auch sie waren um eine Revision ihrer Friedensverträge bemüht. Der erfolgreichste Staat dabei war die Türkei. 1923 handelten sie eine für sie günstigeren Friedensvertrag aus. Dadurch erhielten sie die Kontrolle über Kleinasien zurück.
Auch bei den Siegermächten gab es Vorbehalte gegen den Vertrag. Abgelehnt wurde er von der Sowjetunion. Für sie war der Vertrag eine Fortsetzung der alten imperialistischen Politik und für Frankreich gingen die Bestimmungen nicht weit genug. Dass das französische Sicherheitsbestreben nicht noch mehr berücksichtigt und dauerhafter berücksichtigt wurde, bedauerte Frankreich.Mit den wirtschaftspolitischen Auswirkungen der Bestimmungen des Vertrages war Großbritannien nicht zufrieden. Den Problemen der europäischen Wirtschaft wurde aus Sicht der Briten nicht gerecht. Im Parlament der USA fand der Vertrag keine Mehrheit. Der Völkerbund, dessen Satzung im Teil I des Vertrages enthalten war, wurde hier inzwischen abgelehnt.
Nach 1933 wurde der Versailler Vertrag von der nationalsozialistischen Regierung mehrmals gebrochen. Durch einseitige Aufkündigung des Vertrages durch das Deutsche Reich am 30. Januar 1937 endete die Gültigkeit des Versailler Vertrages offiziell.